Gemeinsam ins Alter PA HNA vom 17.02.2018

Verein plant eine Wohngemeinschaft für Senioren in Treysa

Erster Entwurf: Das Architekturbüro Biskamp hat eine Grafik erstellt, damit Interessenten eine grobe Vorstellung vom Projekt bekommen können. © privat

Treysa. Der Schwalmstädter Verein „Gemeinsam ins Alter“ möchte in Treysa ein Haus bauen, in dem Senioren selbstständig, aber gemeinsam alt werden können.

Wie möchte ich alt werden? Diese Frage sollte sich jeder laut dem Schwalmstädter Verein „Gemeinsam ins Alter“ frühzeitig stellen. Die Antwort der Mitglieder darauf lautet, wie der Name des Vereins bereits verrät: gemeinsam. Deshalb ist momentan ein Hausbau in Planung, es soll eine Art Wohngemeinschaft für ältere Menschen in Treysa entstehen.

Wer kann in dieses Haus einziehen?

Senioren ab 60 Jahren, die fit genug sind, ihren Alltag zum Teil gemeinsam zu gestalten. Laut Reinhart Darmstadt, 2. Vorsitzender und selbst mit seiner Frau Christiane einzugswillig, gehe es vor allem darum, Langeweile und Einsamkeit vorzubeugen.

Wie sollen Haus und Alltag aussehen?

Es sollen zwölf barrierefreie Wohnungen zwischen 45 und 70 Quadratmetern für Einzelpersonen und Paare entstehen. Außerdem sind einige Gemeinschaftsräume geplant, eine Küche ebenso wie ein Haushalts- und Hobbyraum und eine Gästewohnung. Das Architekturbüro Biskamp hat bereits einen ersten Entwurf erstellt, damit Interessenten eine grobe Vorstellung bekommen können. Der Alltag soll zwar eigenständig, aber gemeinsam gestaltet werden. Das Ehepaar Darmstadt stellt sich gemeinsame Mahlzeiten vor, aber auch spontane Verabredungen zum Doppelkopf oder zu Spaziergängen.

Was steht dem Baustart noch im Wege?

Die größte Hürde ist die Suche nach Senioren, die einziehen möchten. Wenn acht Vorverträge unterschrieben sind, also zwei Drittel des Hauses belegt sind, kann das Projekt umgesetzt werden. Außerdem steht das Grundstück noch nicht ganz fest. In Aussicht ist allerdings der Kauf eines Wiesengeländes der Hephata Diakonie neben der Kita „Am alten Feld“. Wichtig ist dem Verein, dass eine gute Anbindung zur Innenstadt und zum Ärztehaus besteht.

Wie ist das Projekt rechtlich organisiert?

Zusätzlich zum Verein, der sich um das Konzept und die inhaltliche Gestaltung kümmert, wurde bereits vor einiger Zeit eine Genossenschaft für die praktische Organisation gegründet. Laut Gründungsmitglied Susanne Nau sei bei diesem Modell gemeinschaftliches Eigentum besonders gut organisiert, es biete hohe Rechtssicherheit und finanzielle Verlässlichkeit. Die zukünftigen Bewohner bezahlen ein Drittel der Wohnung, diese Einlage bleibt erhalten, kann also vererbt oder ausgezahlt werden, und mieten die Wohnfläche von der Genossenschaft. Wie viel das den Einzelnen insgesamt kosten wird, kann noch nicht genau gesagt werden.

Wie sieht der weitere Zeitplan aus?

Die Genossenschaft möchte den Bau innerhalb der nächsten zwei Jahre umsetzen. Wenn alles gut läuft, könnten ab Frühjahr 2019 die Bagger rollen und die Wohnungen wären im Sommer 2020 bereit für den Einzug.

Kann ein solches Wohnprojekt funktionieren?

Der Schwesterverein „Gemeinsam ins Alter Kassel“ hat bereits ein solches Projekt umgesetzt, seit September 2017 wohnen Senioren gemeinsam im Stadtteil Kirchditmold. Die Vorstandsvorsitzende Christa Moll berät die Schwälmer und berichtet von Erfahrungen.

Gemeinsam ins Alter Zusammen planen – gemeinschaftliches Wohnen in Treysa

Das große Interesse an der Öffentlichkeitsveranstaltung des Vereins „Gemeinsam ins Alter Schwalmstadt“ hat es gezeigt: der demografische Wandel ist in der Schwalm ein wichtiges Thema. Die Mitglieder des Vereins und der gleichnamigen Genossenschaft hatten eingeladen, um einer breiten Öffentlichkeit ihr Konzept für gemeinschaftliches Wohnen von Senioren vorzustellen.

In kurzen Beiträgen informierten Doris Schäfer und Reinhart Darmstadt vom Vorstand des Vereins über das Konzept und die Vorteile, die so eine Gemeinschaft bietet.

Susanne Nau erklärte, dass das Genossenschaftsmodell gemeinschaftliches Eigentum besonders gut organisiert und eine hohe Rechtssicherheit und eine finanzielle Verlässlichkeit darstellt.

Das Architekturbüro Biskamp hatte für die Veranstaltung  schon einen ersten Entwurf erarbeitet. In einer Powerpoint – Präsentation zeigte Johannes Biskamp ein Modell der Wohnungen und des Häuserkomplexes.

Besonders beeindruckte der Beitrag von Christa Moll vom Schwesterverein „Gemeinsam ins Alter Kassel“. Sie kam in Abordnung des Wohnprojekts in Kirchditmold und zeigte in anschaulichen Bildern die Umsetzung des gleichen Konzeptes im September letzten Jahres.

Bürgermeister Stefan Pinhard betonte in seinem Grußwort den Stellenwert eines solchen Hauses für Senioren für eine Kommune in der Größenordnung von Schwalmstadt und wünschte dem Verein, dass die Umsetzung gelingen möge.

Den Informationen zufolge ist die Hephata Diakonie bereit, der Genossenschaft ein Wiesengelände neben der KiTa  „Am alten Feld“ in Treysa, zu verkaufen.

Die Genossenschaft wird dann innerhalb der nächsten 2 Jahre den Bau umsetzten, den der Bauausschuss der zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner mit dem Architekturbüro erarbeiten wird. Geplant ist ein Häuserkomplex mit 12 Wohneinheiten unterschiedlicher Größe. Das Konzept unterscheidet sich von herkömmlichen Seniorenanlagen dadurch, dass keine Eigentumswohnungen entstehen, sondern dass von der Genossenschaft gemietet wird. Ferner wird es einen großen Gemeinschaftsraum mit Küche geben, der auch für Veranstaltungen von außen genutzt werden kann. Ebenso werden eine Gästewohnung, ein Haushalts- und ein Hobbyraum zur Verfügung stehen. Dadurch wird es möglich, die eigene genutzte Wohnfläche kleiner zu wählen.

Ungewöhnlich ist es, dass die zukünftigen Erstbewohnerinnen und -bewohner am Konzept und an den Hausplänen mitarbeiten und mitentscheiden können.

Der Vorstand des Vereins hat aufgezeigt, dass es neue Wege gibt, wie Menschen ihr Leben gestalten können, wenn sie älter werden: gemeinschaftlich leben und trotzdem individuell in einer separaten Wohnung, selbstbestimmt und mittendrin. Wenn man sich dort, wo man wohnt, gut aufgehoben fühlt, wird man sich bei Bedarf in einer verlässlichen Nachbarschaft unterstützen.

Der Verein sucht aktuell Menschen, die in die Genossenschaft eintreten, um sie entweder durch eine Geldeinlage zu unterstützen oder  um in eine Wohnung einzuziehen. Für Menschen, die im Alter nicht allein leben wollen, ist diese Wohnform eine bewährte Alternative zu herkömmlichen Wohnanlagen für Senioren.

Die Gelegenheit zum Informieren, Diskutieren und Mitmachen bietet ein Kaffeetreffen am Sonntag, den 4. März, um 15 Uhr im Marta-Mertz-Haus in Treysa, Marburger Str. 25.

 

Kontakt: www.gemeinsaminsalter-schwalmstadt.de

Doris Schäfer, Tel.: 06691 24768

Reinhart Darmstadt, Tel.: 06691 22821